Das Boßelspiel

(Ostfriesische Nationalsport)

Allgemeines

Das heutige Boßelspiel auf den ostfriesischen und friesischen Landstraßen ist, so die allgemein herrschende Auffassung, auf dem so genannten „Lehmkugelwerfen" entwickelt worden. Es wurde Lehm zu einer Kugel geformt und getrocknet. Mit dieser Lehmkugel warf man ins freie Feld. So entstand das heutige „Klootschießen". Daraus wiederum entwickelte sich das heute „Straßenboßeln".

Das „Klootschießen" wurde mit dem so genannten „Dreh- oder Flüchterschlagen" ausgeführt. Mit dieser Wurfform wird heute noch in verschiedenen Gebieten das „Boßeln" praktiziert. Die vorherrschende Wurfform ist jedoch der „Kegelschlag". Es wird also die Wurfhand so geführt, wie es auch beim Kegelsport der Fall ist. Dazu nimmt man Anlauf, um mit viel Schwung und Kraft durch Umsetzung der Bein- und Armarbeit die Kugel in Wurfrichtung befördern zu können. Diese Technik muss mehrmals geübt werden, um sie später dann in einem Wettkampf umsetzen zu können.

Geräte

Zum Boßelspiel gehören folgende Geräte:

Ausführung

Das Boßelspiel ist zwischenzeitlich ein sehr beliebter Mannschaftssport geworden mit über 40 000 Aktiven in den verschiedenen Verbänden des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV). Die Vorteile dieser Sportart liegen in der Bewegung an der frischen Luft, denn während eines Wettkampfes legt man einen Fußweg von ca. acht bis zehn Kilometern in etwa zweieinhalb bis drei Stunden zurück. Je nach Verkehrsaufkommen werden bestimmte Gemeinde- oder Kreis-Strassen für das Boßeln freigegeben. Durchgeführt werden die Punkt-Kämpfe im Wintermonat (Saison: September bis März). In den Sommermonaten werden verschiedene Großereignisse (u.a. Verbands- und Landes-Meisterschaften, Großwettkämpfe Oldenburg gegen Ostfriesland oder gar die Europameisterschaften) durchgeführt. Außerdem feiern die Vereine in der Sommerzeit ihre Vereinsfeste mit öffentlichen Preis- und Plakettenboßeln. Verbunden ist dies mit einem Tanzabend und einer öffentlichen Preisverteilung. Diese Sportart wird in Ostfriesland und Friesland, also im norddeutschen Raum, von ca. 40 000 bis 50 000 Akteuren (Männer, Frauen, Jugendliche und Schüler) durchgeführt. Dabei wird in folgenden Spielklassen geboßelt:

- Landesliga - Bezirksklasse

- Verbandsliga - Kreisliga

- Bezirksliga - Kreisklasse mit verschiedenen Staffeln

Hierbei wird dann um Auf- und Abstieg, wie bei anderen Sportarten, gekämpft.

Die Dachorganisation liegt beim Friesischen-Klootschießer-Verband (abgekürzt: FKV). dem FKV sind die verschiedenen Kreisverbände angegliedert.

Spielregeln (Kurzinformation)

Je nach Spielklasse nehmen mehrere Mannschaften zu je fünf Personen am Punktspielbetrieb teil. Die Erläuterung der Regeln erfolgt daher an dem Beispiel Mannschaft A (5 Personen) gegen Mannschaft B (5 Personen). Geworfen wird im Punktspielbetrieb in einer Hin- und einer Rückrunde. Jede teilnehmende Mannschaft hat also einmal Heimrecht und muss auch einmal nach auswärts.

Die gastgebende Mannschaft ( in unserem Beispiel die Mannschaft A ) hat Heimrecht und muss anwerfen. Vorher wird die Reihenfolge der Werfer festgelegt (also Werfer A1 - A5, bei Mannschaft B= B1 - B5). Werfer A1 wirft an. Dagegen wirft der Werfer B1. Dann folgen die Werfer A2 gegen B2, A3 gegen B3 usw.. Wenn die Werfer 1 - 5 geworfen haben, dann ist die erste Runde durch. Sodann folgen die Runden zwei, drei, vier und fünf. Danach wird gewendet, d.h. es geht, wie zuvor beschrieben, wieder zum Abwurfpunkt zurück. Also werden fünf Runden hin und fünf Runden zurück geworfen, so dass jeder Werfer insgesamt zehn Wurf während des Wettkampfes absolviert ( nach zehn Runden ist das Ergebnis zu ermitteln ).

 

Wie erziele ich nun einen Wurf ( plattdeutsch: Schöt )?

A1 hat einen sehr langen Wurf vorgelegt. B1 hat Pech und ihm gelingt nur ein kleiner Wurf. Jetzt ist Mannschaft B hinter ( plattdeutsch: achter ). Also Werfer B2 muss jetzt werfen; schafft er es nicht, an die Weite von A1 heranzukommen, so führt die Mannschaft A mit einem Schöt. Der Werfer A2 fällt aus *. So werfen wieder B3 gegen A3 usw.. Wenn jetzt Mannschaft A nicht an die Weite des Werfers der Mannschaft B kommt, so liegt die Mannschaft A hinten. So kann das Spiel wechselhaft weitergehen.

Ein Schöt fällt also immer dann, wenn eine Mannschaft hinten liegt und der unmittelbar folgende Werfer die vorgelegte Weite des Gegners nicht erreicht.

Beim Wenden werden die Boßelkugeln jeweils dort aufgenommen, wo die des Gegners lag, und dort wird dann mit der Rückrunde begonnen.

Die Rückrunde ist vom Ablauf her wie die Hinrunde.

* Anmerkung: Am 07.03.2003 wurden vom Friesischen Klootschießer-Verband (FKV) neue einheitliche Boßelregeln für Ostfriesland und Oldenburg verabschiedet. Die Regeln treten mit der Saison 2003/2004 in Kraft.

Die wichtigsten Änderungen: 

 

Spruch:

Wer einen Boßelwettkampf je gesehen,

kann den gesunden Elan der Werfer verstehen.

Miterleben muss man so einen Kampf,

er ist sportlich, gesund und voller Dampf !

Drum kann man nur jedem empfehlen,

diesen Sport als Freizeithobby zu wählen.

Muss ein Arzt Dir helfen mit vielen Pillen,

so kann das Boßeln Freude Dir erfüllen !

Drum sag´ich`s gern an dieser Stelle,

werde Boßler, auf alle Fälle.

 

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